Übung Piratex: Alle Mann an Deck!

Montag 10.02., 8.09 Uhr - Warnmeldung: Ein unter belgischer Flagge fahrendes Schiff soll im Golf von Guinea gekapert worden sein... Ist diese Information bestätigt? Wie ist mit dieser Situation umzugehen? Keine Sorge, es handelte sich um eine Übung. Eine realistische Übung, bei der alle belgischen zuständigen Behörden im Nationalen Krisenzentrum (NCCN) zusammengekommen sind, um dieses komplexe Krisenmanagement gemeinsam durchzuführen.
schiff Pompei 2009

Seit der Pompéi 2009 ständige Vorbereitung auf Piraterie

2009 wurde Belgien mit der Kaperung des Schiffes Pompéi vor der somalischen Küste konfrontiert. Diese Geiselnahme hat über 70 Tage gedauert. Im NCCN fand die interministerielle Koordinierung der zuständigen Behörden statt.
Dieser Vorfall diente als Grundlage für eine regelmäßige Weiterverfolgung dieser spezifischen Thematik, sowohl in Sachen Noteinsatzplanung als auch in Sachen multidisziplinäre, interministerielle und überregionale Koordinierung. Diese Vorbereitung umfasst auch Übungen wie diese. Die Piraterie ist nämlich eine besonders komplexe Problematik, von der zahlreiche Behörden und nationale und internationale Rechtsordnungen betroffen sind. Dies erfordert eine Erprobung von Noteinsatzplänen und -verfahren.

Alarmierungs-SMS und Aktivierung der Krisenstäbe

8.09 Uhr. Eine Alarmierungs-SMS eröffnet den Reigen: "ÜBUNG PIRATEX: Nach Eingang einer Warnmeldung über eine mögliche Kaperung eines unter belgischer Flagge fahrenden Schiffes im Golf von Guinea beruft das NCCN für heute Morgen 9 Uhr eine Koordinierungsversammlung ein, zu der Sie eingeladen sind. Sie werden ab 8.45 Uhr erwartet. Bitte bestätigen Sie Ihre Anwesenheit durch Beantwortung dieser Nachricht."

Die Übung startet. Die Teilnehmer werden bei ihrer Ankunft auf mehrere Räume verteilt, entsprechend der Koordinationsstruktur, wie sie nach Bewertung der Anschläge von März 2016 aktualisiert worden ist. Es handelt sich um eine Tabletop-Übung, was bedeutet, dass sie die strategischen Aspekte betrifft und die operativen Aspekte vor Ort außen vor lässt.

Im Nationalen Krisenzentrum (NCCN) sind rund fünfzehn Organisationen und Einrichtungen im Föderalen Koordinierungsausschuss vertreten: Inneres, Mobilität, Auswärtige Angelegen-heiten, Polizei, Justiz, Landesverteidigung, Nachrichtendienste, Sektor der Seeschifffahrt ... Der in Zeebrugge angesiedelte Maritime Informationsknotenpunkt ist per Videokonferenz zugeschaltet. Aufgrund des Ausmaßes dieses gemeinsamen Krisenmanagements weisen mehrere betroffene Akteure darauf hin, dass es wichtig ist, im NCCN über technische und technologische Infrastrukturen zu verfügen, die noch stärker der Realität angepasst sind.

Am Anfang der Übung ist es unabdingbar, dass ein gemeinsames Bild der Lage entsteht: Die Fachleute jeder Behörde legen ihre Informationen zusammen und tragen jeweils ihren spezifischen Ansatz für einen solchen Vorfall bei. Angesichts der Anzahl und Verschiedenartigkeit der Partner ist ein optimaler Informationsaustausch entscheidend: Nach der Übung wird eine Vertiefung der diesbezüglichen Methoden, Instrumente und Verfahren beschlossen.

Und nun?

Es handelte sich nur um eine Übung. Aber sie war für alle Akteure, die im Ernstfall zur Bewältigung solcher Notsituationen beitragen müssten, aufschlussreich. Jede Behörde wird nun, nachdem die ersten Eindrücke ausgetauscht sind, eine weiter gehende Auswertung vornehmen, um eventuelle verbesserungswürdige Punkte herauszuarbeiten. Dieser Schritt schafft eine positive Dynamik zur ständigen Professionalisierung der belgischen Koordinierung im Bereich der maritimen Sicherheit.